Zöliakie

  1. Dr. Schär Institute
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intestinal villi

Die Zöliakie, ehemals auch einheimische Sprue, ist eine genetisch determinierte, chronisch entzündliche Enteropathie, die durch Gluten ausgelöst wird. Sie zählt zu den häufigsten Unverträglichkeiten weltweit und tritt sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf.

Zöliakie zählt zu den Autoimmunerkrankungen und wird durch Gluten, einem Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten wie beispielsweise Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Kamut und Triticale vorkommt, ausgelöst. Bei Kindern und Erwachsenen mit entsprechender genetischer Veranlagung führt die Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln, selbst wenn es nur Spuren von Gluten sind, zu einer Immunreaktion im Darm. Diese verursacht eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut und schließlich eine Rückbildung der Dünndarmzotten. Diese charakteristischen histopathologischen Veränderungen können ein Malabsorptionssyndrom zur Folge haben. Unter einer strikt glutenfreien Ernährung sind diese Auswirkungen jedoch vollständig reversibel und die Dünndarmschleimhaut regeneriert sich. Eine lebenslange glutenfreie Ernährung, bei der alle Spuren von Gluten vermieden werden, stellt somit aktuell die einzig mögliche Therapie dar.

Atrophie des Dünndarms

Die Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten und feinen Ausstülpungen, den Mikrovilli, ausgekleidet. Diese dienen der Oberflächenvergrößerung und verbessern die Nährstoffaufnahme. Bei den Betroffenen haben sich die Dünndarmzotten und die Mikrovilli fast vollständig zurückgebildet. Durch die Schädigung und Abflachung der Dünndarmschleimhaut können weniger bis keine Nährstoffe aufgenommen werden. Die Folgen sind beispielsweise Unterernährung und Mangelerscheinungen.

Chamäleon der Medizin

Die Zöliakie tritt viel häufiger auf als angenommen. In Deutschland wird geschätzt, dass es etwa 800.000 Zöliakiebetroffene gibt, dies entspricht einer Prävalenz von 1:100. Tatsächlich diagnostiziert sind nur rund 80.000. Zudem bleiben viele Fälle mehrere Jahre unentdeckt, da die Symptomatik oftmals unspezifisch ist. Daher spricht man bei der Zöliakie auch vom Chamäleon der Medizin.

Aufspüren von Betroffenen

Um die Dunkelziffer von Zöliakie zu senken und auch Patienten ohne auffällige Symptome zu diagnostizieren, empfiehlt es sich, bestimmte Gruppen auf Zöliakie zu testen. Dieses sogenannte Case Finding(im Gegensatz zu Massenscreenings) bedeutet, dass Personen mit Symptomen, die mit Zöliakie in Verbindung gebracht werden können oder bei denen Fälle von Zöliakie in der Familie (Eltern, Kinder, Geschwister) vorliegen, auf Zöliakie getestet werden.

Erkrankungen, bei denen eine Zöliakie ausgeschlossen bzw. der Ausschluss bedacht werden sollte

AUTOIMMUNERKRANKUNGEN

  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Autoimmunhepatitis, PBC

HAUTERKRANKUNGEN

  • Dermatitis herpetiformis Duhring
  • Psoriasis

GENETISCHE SYNDROME

  • Down-Syndrom/Trisomie 21
  • Turner-Syndrom/Monosomie x

WEITERE ERKRANKUNGEN

  • Transaminasenerhöhungen
  • Osteopathie (Osteomalazie, Osteoporose)
  • Mikroskopische Kolitis
  • Reizdarmsyndrom
  • Infoblatt Zöliakie

    Das Infoblatt gibt auf der einen Seite einen kurzen Überblick über Zöliakie und zeigt auf der anderen Seite in einer Übersicht unbedenklich, riskante und verbotene Lebensmittel bei Zöliakie auf.

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Quellen

  1. Kratzer et al., Prevalence of celiac disease in Germany: a prospective follow-up study. World J Gastroenterol. 2013 May 7; 19(17): 2612–2620.
  2. Mustalahti et al., The prevalence of celiac disease in Europe: Results of a centralized, international mass screening project. Annals of Medicine 2010 Dec;42(8):587-95.
  3. Coeliac Forum 01/2010
E-Learning - Grundlagen der Zöliakie

In diesem Modul werden Ihnen erste Grundlagen zur Zöliakie vermittelt. Die Begrifflichkeiten „Zöliakie“ und „Gluten“ werden definiert.