Gluten-/Weizensensitivität oder Reizdarm?

  1. Gluten-/Weizensensitivität oder Reizdarm?
Frau hält sich Bauch

Es gibt Reizdarmpatienten, die auf eine glutenfreie Ernährung mit einer deutlichen Besserung ihrer Symptome reagieren. Daher kann nach Ausschluss einer Zöliakie und Weizenallergie versuchsweise eine glutenfreie Ernährung durchgeführt werden, um möglicherweise eine Gluten-/Weizensensitivität zu diagnostizieren.

Der Zusammenhang zwischen Reizdarm (IBS für Irritable Bowel Syndrome) und Zöliakie ist bereits länger erforscht und gilt als bestätigt. So können Patienten mit einer nicht diagnostizierten Zöliakie IBS-ähnliche Symptome aufweisen. Bei einem Teil der Reizdarmpatienten, vor allem vom Diarrhoe-dominanten Typ, kann eine glutenfreie Ernährung aber auch eine Besserung der Symptome bewirken, obwohl bei ihnen keine Zöliakie oder Weizenallergie vorliegt. Im Gegenzug reagieren sie mit Magen-Darm-Beschwerden nach dem Verzehr von Gluten. In diesen Fällen scheint es, dass die Patienten von einer Gluten-/Weizensensitivität bzw. einem glutensensitiven Reizdarmsyndrom betroffen sind und von einer glutenfreien Ernährung profitieren können.

IgG-Antigliadin-Antikörpertest

Ein postivier IgG-Antigliadin-Antikörpertest kann ein erster Hinweis auf das Vorliegen einer Gluten-/Weizensensitivität sein und sollte im Rahmen der Diagnostik durchgeführt werden. Die Konzentration von Gliadin-Antikörpern liegt in der allgemeinen Bevölkerung bei etwa 12 %, bei IBS-Patienten bei etwa 17 %. Es wird vermutet, dass bei etwa 50 % der Patienten mit für Gluten-/Weizensensitivität typischen Symptomen die Menge an Gliadin-Antikörpern erhöht ist. Es gibt Grund zur Annahme, dass  eine glutenhaltige Ernährung bei Menschen mit Prädisposition zu einer Immunreaktion der Darmschleimhaut mit der Produktion von Gliadin-Antikörpern verursacht. Eine Forschungsarbeit [2] an der Charité Berlin soll zeigen, ob Patienten mit Diarrhoe-dominanten IBS und positiven Markern der Zöliakie (HLA-DQ2/8), von einer glutenfreien Ernährung profitieren. Dies wäre ein wichtiger diagnostischer Biomarker, da die Patienten, bei denen statt IBS eine Gluten-/Weizensensitivität vorliegt, auf eine glutenfreie Ernährung mit einer deutlichen Besserung oder einem Verschwinden ihrer Beschwerden reagieren und dadurch deutlich an Lebensqualität gewinnen. Erste Ergebnisse zeigen, dass 34 % der Patienten im Rahmen der Studie auf eine glutenfreie Ernährung ansprechen, d. h. die Symptome sind in mindestens 75 % der Wochen der vier Behandlungsmonate verschwunden oder hatten sich erheblich gebessert. Allerdings zeigt sich keine Korrelation zwischen Gluten-/Weizensensitivität und HLA-DQ2/8-Expression.

Quellenangabe

  1. Sanders DS et al. 2001; Sanders DS et al. 2003
  2. Aziz, I., Trott, N., Briggs, R., Hadjivassiliou, M. & Sanders, DS. (2016). Efficacy of a Gluten-Free Diet in Subjects With Irritable Bowel Syndrome-Diarrhea Unaware of Their HLA-DQ2/8 Genotype. Clinical Gastroenterology and Hepatology(5), 696-703. doi:10.1016/j.cgh.2015.12.031