Pathogenese

  1. Pathogenese
Aerztin mit Brille schaut durchs Mikroskop

Die genauen pathogenetischen Ursachen der Gluten-/Weizensensitivität sind noch nicht vollständig erforscht. Sicher ist, dass es sich weder um eine Autoimmunreaktion noch um eine allergische Reaktion handelt.

Die genaue Pathogenese der Gluten-/Weizensensitivität (GS/WS) ist noch unklar. Man weiß bislang, dass es sich weder um eine Autoimmunreaktion wie bei der Zöliakie handelt noch um eine allergische Reaktion wie bei der Weizenallergie. So sind im Unterschied zur Zöliakie bei Gluten-/Weizensensitivität keine Autoimmunantikörper vorhanden. Möglicherweise stecken aber immunologische Mechanismen dahinter. So weist die hohe Expression von Toll-like-4-Rezeptoren (TLR4) auf eine Störung der angeborenen Immunantwort auf Gluten oder mit Gluten assoziierte Substanzen in Weizen hin. Aktuell wird erforscht, ob beispielsweise die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) Auslöser für diese Reaktion sein könnten. Auch die sogenannten FODMAPs könnten möglicherweise die bei Gluten-/Weizensensitivität beschriebenen gastrointestinalen Symptome verursachen.


TLR4 ist ein typischer Rezeptor für eine angeborene Immunität. Nach seiner Aktivierung wird eine entzündliche Reaktion ausgelöst. Bei Patienten mit Gluten-/Weizensensitivität ist jedoch keine Veränderung der an adaptiven Immunantworten beteiligten Zytokine feststellbar. Diese sind nur bei Zöliakiebetroffenen erhöht. Anders als Zöliakiepatienten weisen Patienten mit Gluten-/Weizensensitivität auch eine normale Darmpermeabilität und eine Überregulierung des Claudin-4 auf. Zudem ist bei ihnen im Gegensatz zu Zöliakiepatienten eine erhebliche Verringerung des Moleküls FoxP3 festzustellen. Dies ist ein wichtiger T-Zellen-Regulierungsmarker. Die bei fast allen Zöliakiebetroffenen vorhandenen genetischen Prädispositionsmarker HLA-DQ2 und DQ8 sind bei nur ungefähr 50 Prozent der Patienten mit Gluten-/Weizensensitivität positiv. Aufgrund der unklaren Pathogenese erfolgt die Diagnosestellung mittels Ausschlussdiagnose und wird durch die positive Reaktion auf Glutenverzicht und die erneute Verschlechterung bei Glutenreexposition nach zwei bis drei Wochen bestätigt.

 

Kurz notiert

  • Was sind ATIs?

    Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) sind Proteine im Getreide, die es widerstandsfähiger gegen Schädlingsbefall machen und vor allem in kultivierteren Weizensorten enthalten sind. ATIs sind insbesondere in glutenhaltigen Getreidesorten enthalten, sodass eine glutenfreie Ernährung bei Gluten-/Weizensensitivität zu einem Verschwinden bzw. einer Besserung der Symptome führt, auch wenn eventuell nicht das Gluten selbst, sondern ATIs Auslöser der Beschwerden sein sollten.

  • Was sind Claudine?

    Claudine sind integrale Membranproteine, die an der Funktion von Zellverbindungen (sogenannte Tight Junctions) beteiligt sind. Diese Tight Junctions blockieren den Flüssigkeitsdurchgang zwischen den Zellen, indem sie eine Art Gürtel um den Zellumfang (Zonula) bilden. Sie treten beispielsweise im Darmepithel auf, um ein Durchsickern von Substanzen zwischen den verschiedenen Umgebungen zu verhindern.

  • Was ist der FoxP3-Faktor?

    Regulatorische T-Zellen sind maßgeblich daran beteiligt, das Immunsystem im Gleichgewicht zu halten und dadurch vor Autoimmunerkrankungen und übertriebenen entzündlichen Reaktionen zu schützen. Sie enthalten das Protein FoxP3. Dieser Transkriptionsfaktor agiert sowohl als Aktivator als auch als Repressator. Bei Mutationen kommt es zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen.