Wird es ein Medikament zur Behandlung von Zöliakie geben?

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Im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde überprüft, ob das Präparat mit dem Namen ZED1227 dazu geeignet ist, Spuren von Gluten aus der Nahrung unschädlich zu machen und dadurch eine Dünndarmentzündung durch Gluten zu vermindern.

 

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Nachdem das Zöliakie-Medikament ZED1227 bereits erfolgreich auf seine Verträglichkeit an gesunden Menschen getestet wurde, hat das Forscherteam um Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan (Direktor des Instituts für Translationale Immunologie der Universitätsmedizin Mainz) und Prof. Markku Mäki (Universität Tampere, Finnland) untersucht, in welchen Dosen das Medikament wirksam ist. Dazu erhielten 160 Patienten mit kontrollierter Zöliakie über sechs Wochen jeden Morgen eine halbe Stunde vor dem Verzehr eines Kekses mit 3 mg Gluten entweder 10, 50 oder 100 mg ZED1227 oder ein Placebo. Ansonsten sollten die Teilnehmer ihre glutenfreie Ernährung beibehalten. Weder die Probanden noch die Ärzte wussten, wer das Medikament in welcher Dosierung und wer ein Placebo erhält. Zu Beginn der Studie sowie nach Ablauf der sechs Wochen wurde bei allen Teilnehmern eine Biopsie durchgeführt, um die Veränderungen an der Dünndarmschleimhaut dokumentieren zu können. Daneben mussten die Probanden ein Symptom- und Ernährungstagebuch führen, die Frequenz und Charakteristik ihres Stuhls festhalten und einen Fragebogen zur Bewertung ihrer Lebensqualität ausfüllen.

Ergebnisse

Alle drei Dosierungen von ZED1227 bewirkten eine Abschwächung der glutenbedingten Schädigungen an der Dünndarmschleimhaut im Vergleich zu Placebo, wobei 50 mg und 100 mg die beste Wirkung erzielten. Unerwünschte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen traten bei allen Untergruppen auf, inklusive Placebo. Diese sind auf die Glutenbelastung zurückzuführen. Die mit ZED1227 behandelten Probanden klagten über etwas weniger Beschwerden und eine verbesserte Lebensqualität im Vergleich zur Placebogruppe.

 

Das Ziel der Studie bestand zum einen in der Abschwächung der durch Gluten verursachten Schädigung der Darmschleimhaut, zum anderen in der Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Beides wurde mit ZED1227 erreicht: Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass sich die Lebensqualität von Woche zu Woche besserte, und anhand der Biopsien wurde deutlich, dass die Dünndarmschädigung durch die Gabe von ZED1227 abgemildert wird.

Ab Herbst 2021 folgen weitere Studien mit einer sehr viel größeren Patientenanzahl. Dabei soll untersucht werden, wie sich ZED1227 im normalen Alltag ohne kontrollierte Ernährung verhält und welche Nebenwirkungen längerfristig auftreten können.

 

Fazit

Grundsätzlich konnte die Studie zeigen, dass ZED1227 einen stark schützenden Effekt auf die Dünndarmschleimhaut ausübt und sich infolgedessen sowohl die Entzündung als auch die Symptome sowie die Lebensqualität der Menschen mit Zöliakie bessert. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine unterstützende pharmakologische Therapie, die die glutenfreie Ernährung nicht ersetzen soll, sondern den Betroffenen die Angst vor dem Außer-Haus-Verzehr nehmen und Patienten mit besonders hoher Glutensensitivität ein beschwerdefreies Leben ermöglichen soll.

Studien wie diese wecken bei Betroffenen viel Hoffnung in Hinblick auf eine einfachere Lösung als die lebenslange, strikt glutenfreie Diät. Die Studie zeigt erste positive Ergebnisse – es müssen jedoch weitere, zeitaufwändige Studien folgen, bis zur Zulassung des Medikaments. ZED1227 gehört mit diesen Ergebnissen zu einer Reihe ausgezeichneter Studien, die ähnliche Wirkstoffe erforschen, alle mit dem Ziel das Leben der Betroffenen zu erleichtern.

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