Diagnose

  1. Diagnose
Arzt Beratung Haende

Viele unspezifische Symptome und fehlende Marker erschweren die Diagnose des Reizdarmsyndroms RDS (oder IBS für Irritable Bowel Syndrome). Sie kann gestellt werden, wenn sich die Anzeichen weder organischen noch pathologischen Ursachen zuordnen lassen, die Lebensqualität des Patienten jedoch stark eingeschränkt ist.

Beim diagnostischen Vorgehen sind die Dauer der gesamten Symptomatik, die Art, die Ausprägung, die Dauer der einzelnen Beschwerden sowie die Abgrenzung möglicher Auslöser von entscheidender Bedeutung. Es sollte zu Beginn eine ausführliche Anamnese erfolgen, um das Beschwerdebild des Patienten mit den möglichen Symptomen eines IBS abzugleichen. Abgefragt werden sollte dabei auch die subjektive Einschätzung des Patienten zu Schwere und Auswirkungen der Symptomatik auf das tägliche Leben, um ein Verständnis der Erkrankung und ihrer Bedeutung für den Patienten zu gewinnen.

Diagnose nach Definition

Laut der aktuellen Leitlinie wird das Reizdarmsyndrom für Erwachsene definiert als länger als drei Monate anhaltende chronische Darmbeschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen, …), die mit Stuhlveränderungen einhergehen. Zudem sind die Beschwerden so stark, dass der Patient ärztlichen Rat aufsucht und sich in der Lebensqualität beeinträchtigt fühlt. Voraussetzung ist, dass keine anderen Krankheitsbilder vorliegen, welche für die Symptome verantwortlich sein könnten.

Zöliakie nicht übersehen

Das Ziel ist eine möglichst frühe Sicherung der Diagnose und der Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen. Krankheiten, welche die Symptome Diarrhoe, Schmerzen, Obstipation und Blähungen/Distension auslösen, wie z. B. die ZöliakieWeizenallergie oder Gluten-/Weizensensitivität, müssen ausgeschlossen werden. Mehrere Studien sowie eine Metaanalyse haben demonstriert, dass bei mehr als vier Prozent der Patienten mit typischem Reizdarm eine unerkannte Zöliakie vorliegt. Ebenso sollten gynäkologische Ursachen sowie Kolonkarzinome durch Koloskopie ausgeschlossen werden.

Diagnose-Schema bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom

Layer P et al. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, Z Gastroenterol 2011; 49: 237–293

Mögliche Differenzialdiagnosen abdomineller Schmerzen

Reizdarmsyndrom-LeitsymptomEinige wichtige Differenzialdiagnosen
Diarrhöinfektiöse Kolitis durch u.a.
pathogene Keime: Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter, Clostridien, Tropheryma Whipplei
Parasiten: Würmer, Gardia lamblia, Kryptosporidien bei HIV, Amoeben oder Blastocystis hominis nach Tropenreise
Pilze: Histoplasmose bei HIV
Viren: Cytomegalie Virus (CMV) bei Immunsuppression
Morbus Crohn
Colitis ulcerosa
Sprue/Zöliakie
bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms
symptomatische Kohlenhydratmalabsorption (z.B. Laktose- oder Fruktosemalabsorption)
mikroskopische Kolitis
chronische Pankreatitis
autonome Neuropathie (Diabetes)
Medikamentenunverträglichkeit
Nahrungsmittelallergie
Hypothyreose
Inkontinenz
Hormonaktive Neuroendokrine Tumoren
kolorektales Karzinom (paradoxe Diarrhö)
SchmerzMorbus Crohn
Ulkus-Krankheit
gastrointestinale Tumoren
mesenteriale Ischämie
Porphyrie
Endometriose
Ovarialtumoren
Dünndarm-Stenosen (z.B. radiogen, Briden)
C1-Esterase-Inhibitor-Mangel
ObstipationMedikamentennebenwirkung
Hypothyreose
kolorektales Karzinom (im Wechsel mit paradoxer Diarrhö bei Stenosesymptomatik)
chronische Divertikelkrankheit
funktionelle oder strukturelle Stuhlentleerungsstörung
Blähungen, Distensionbakterielle Fehlbesiedelung (Small Intestinal Bacterial Overgrowth, SIBO)
Kohlenhydratmalabsorption (z.B. symptomatische Laktose- und/oder Fruktosemalabsorption)
postoperative Funktionsstörungen (z.B. Briden)
Quelle: Layer P et al. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, Z Gastroenterol 2011; 49: 237–293