Umfrage unter Hausärzten zeigt: Zöliakie-Symptome noch zu wenig im Bewusstsein verankert

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Bei der Autoimmunerkrankung Zöliakie wird eine hohe Dunkelziffer nichtdiagnostizierter Betroffener vermutet. Unspezifische Symptome und Überlappungen mit anderen gastrointestinalen Erkrankungen erschweren den Hausärzten nicht selten die Diagnose. Dies geht auch aus einer aktuellen Umfrage von DocCheck Research und Dr. Schär unter 300 Hausärzten1 hervor. Gerade die weniger typischen Symptome der Autoimmunerkrankung entgehen dabei zuweilen der Aufmerksamkeit. Aufgrund der teils schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen einer unentdeckten Zöliakie gilt es, der Erkrankung mit ihrer speziellen Symptomatik vermehrt Beachtung zu schenken, damit bei Betroffenen möglichst schnell eine glutenfreie Diät eingeleitet und so eine Besserung erreicht und Folgeschäden vermieden werden können.

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Hoher Leidensdruck bei unerkannter Zöliakie

Eine unentdeckte Zöliakie kann durch die Schädigung der Darmschleimhaut mit starken Beschwerden einhergehen und für die Patienten eine Unterversorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen zur Folge haben. „Dadurch kommt es unter anderem zu Leistungsminderung, chronischer Müdigkeit und insgesamt einem hohen Leidensdruck bei den Patienten“, sagt Dr. Petra Zantl, die als niedergelassene Allgemeinärztin in Konstanz umfangreiche Erfahrung mit der Behandlung von Zöliakie-Patienten hat. „Eine frühzeitige Diagnose und Therapie ist daher für diese Menschen sehr wichtig.“ Eine kürzlich durchgeführte Umfrage von DocCheck Research und Dr. Schär ging der Frage nach, wie Hausärzte, die in der Regel die erste Anlaufstelle für Betroffene sind, mit der Herausforderung Zöliakie in der täglichen Praxis zurechtkommen. Dazu wurden 300 niedergelassene Allgemeinärzte und Internisten mittels Online-Fragebogen befragt.

Untypische Symptome weitestgehend unbekannt

Dabei zeigte sich, dass die Zöliakie bei der Diagnose noch nicht bei allen „Top of Mind“ ist. Bei der Konfrontation mit klassischen Zöliakie-Symptomen nannten die Befragten am häufigsten gastrointestinale Infektionen, funktionelle Darmerkrankungen, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn als mögliche Ursachen. Eine Zöliakie wurde nur von 29 % spontan als Auslöser in Betracht gezogen. „Die Beschwerdebilder sind sehr ähnlich und Darminfektionen kommen häufiger vor. Ein Hinweis kann die Dauer der Beschwerden sein. Wenn die Symptome bereits seit mehreren Wochen oder sogar Monaten bestehen, sollte unbedingt auch eine Zöliakie in Betracht gezogen werden“, so der Rat von Zantl. Eine Schwierigkeit stellt offenbar auch das Erkennen von weniger typischen Zöliakie-Symptomen dar. Während die klassischen Symptome wie Bauchkrämpfe, Durchfall, Anämie, chronische Müdigkeit, Stuhlunregelmäßigkeiten und Koliken der Mehrzahl der Befragten als Zöliakie-Anzeichen bekannt waren, brachte nur eine Minderheit auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Eisenmangelanämie, Hautausschläge, Muskelkrämpfe, Schwindelgefühle und Depressionen mit Zöliakie in Verbindung. „Dass weniger typische Symptome nicht so sehr im Bewusstsein sind, ist nicht ungewöhnlich. Im Falle der Zöliakie lohnt es sich aber, sich über die komplexe Symptomatik zu informieren und allen Beschwerden Beachtung zu schenken, damit die Erkrankung nicht übersehen wird. Denn viele Betroffene weisen eben nicht das klassische Bild auf“, so Zantls Beobachtungen.

Labortest als erster Diagnose-Schritt

Wenn einmal ein Verdacht auf Zöliakie vorliegt, leiten die weitaus meisten der Befragten die optimalen Schritte zur Klärung der Diagnose ein. 81 % geben an, eine Gastroskopie bzw. Dünndarmbiopsie anzuordnen und 72 % einen Bluttest auf Transglutaminase-Antikörper. „Sinnvoll ist, zunächst die Laboruntersuchung (Transglutaminase-Antikörper und Gesamt IgA) durchzuführen. Das ist eine einfache Maßnahme und sollte bei anhaltenden ungeklärten Bauch-Beschwerden großzügig eingesetzt werden. Bei einem auffälligen Befund folgt anschließend eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie“, empfiehlt Zantl. „Damit lässt sich die Zöliakie sehr zuverlässig diagnostizieren.“

Ernährungsberatung unverzichtbar

Nach der gesicherten Zöliakie-Diagnose ist die einzige Therapieoption eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Das wissen auch die befragten Hausärzte – 84 % empfehlen diese Therapie. Zwei Drittel überweisen ihre Patienten außerdem zu einer Ernährungsberatung. Dazu rät auch Zantl: „Eine Ernährungsberatung ist sehr wichtig, denn eine strikt glutenfreie Ernährungsweise ist komplex. Zwar gibt es inzwischen ein breites Angebot glutenfreier Produkte im Handel, doch es bleiben Herausforderungen wie Restaurantbesuche oder das Interpretieren von Inhaltsangaben bei Fertigprodukten. Hier brauchen Patienten Unterstützung. Gute Möglichkeiten und Informationsquellen bieten dabei die DZG (Deutsche Gesellschaft für Zöliakie) und das DSI (Dr. Schär Institute) – in Verbindung mit einer professionellen Ernährungsberatung.“

Zur Infografik

In der Grafik werden die wesentlichen Umfrageergebnisse sowie eine Übersicht der Zöliakie-Symptome dargestellt.

Quellenangabe

DocCheck Research: Zufallsbasierte Online-Befragung im DocCheck Panel vom 13.04. bis 28.04.2021 unter n = 300 niedergelassenen Allgemeinmediziner*innen, Praktische Ärzt*innen und Internist*innen ohne Schwerpunkt (APIs).