Handelt es sich um ein Reizdarmsyndrom?

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Ein Forscherteam aus England, Schweden und den USA hat sich mit den Überschneidungen zwischen Reizdarmsyndrom und organischen Magen-Darmerkrankungen beschäftigt.

Ein Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine häufig auftretende funktionelle Darmerkrankung, die sich durch Symptome wie wiederkehrende Bauchschmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten äußert. Bei der Erstvorstellung eines RDS-Patienten ist dieser im Durchschnitt zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die Diagnosestellung bei RDS ist nicht ganz einfach und nur im Ausschlussverfahren möglich. Werden charakteristische Symptome gemäß den Rom-IV-Kriterien identifiziert und organische Magen-Darmerkrankungen ausgeschlossen, welche ansonsten Auslöser für die vorliegenden Beschwerden sein könnten, so kann die Diagnose RDS gestellt werden. Zu den organischen Magen-Darmerkrankungen, die mit RDS verwechselt werden können zählen u. a. Zöliakie, entzündliche Darmerkrankungen (IBD), Dickdarmkrebs, chronische Magen-Darminfektionen, mikroskopische Kolitis und chologene Diarrhoe.

Zöliakie

Zöliakie

Viele Menschen mit Zöliakie zeigen vor der Therapie keine klassischen, sondern heterogene Symptome, einschließlich solcher, die auch bei RDS auftreten. Dies betrifft fast 40 Prozent der Zöliakiebetroffenen. Bei einer systematischen Übersicht und Metaanalyse zeigte sich eine gepoolte Prävalenz einer durch Biopsie bestätigten Zöliakie von 3,3 Prozent bei Menschen mit Symptomen vom RDS-Typ. Die meisten internationalen Leitlinien empfehlen, bei Verdacht auf RDS die Patienten auf Zöliakie zu testen.

Entzündliche Darmerkrankungen (IBD)

Die Vortestwahrscheinlichkeit von IBD bei Patienten mit Symptomen, die auch bei RDS auftreten, beträgt zwischen 0,4 und 3,5 Prozent, wobei eine Studie sogar von bis zu 15 Prozent berichtet. Umgekehrt beträgt die gepoolte Prävalenz für Symptome vom RDS-Typ bei Patienten mit IBD 32,5 Prozent.

Magen-Darminfektionen

Eine infektiöse Ursache sollte bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder bei Patienten, die in endemischen Gebieten mit hohem Risiko leben oder in diese gereist sind, bedacht werden. Etwa 3 Prozent der Reisenden, die sich in einem Niedriglohnland aufgehalten haben, sind von anhaltendem Durchfall betroffen. Dabei zählen Protozoen zu den häufigsten infektiösen Ursachen. Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung eines postinfektiösen RDS zählen das weibliche Geschlecht, der Schweregrad einer infektiösen Enteritis, die Verwendung von Antibiotika und das Vorhandensein einer psychischen Belastung.

 

Die Rom-IV-Kriterien für RDS weisen Mediziner dazu an, die Diagnose eines RDS nicht allein anhand der Symptome zu stellen, sondern schrittweise andere organische Pathologien auszuschließen, um wiederholte Untersuchungen zu vermeiden. Der Rom-IV-Ausschuss schlägt vor, dass Ärzte eine gründliche, aber unkomplizierte klinische Untersuchung durchführen, um alle Alarmmerkmale oder spezifischen Symptome zu identifizieren, die den Verdacht auf eine andere Krankheit erwecken, und nur bei positiven Patienten weitere Untersuchungen durchzuführen. Eine sichere RDS-Diagnose ist notwendig, um die Patienten nicht in Unwissenheit zu lassen und eine geeignete Therapie einzuleiten.