Reizdarmsyndrom: welche Rolle spielen Low FODMAP Diät und glutenfreie Ernährung in der Therapie?

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Das Reizdarmsyndrom ist unangenehm und nicht selten. In Deutschland könnten ca. 15% der Bevölkerung betroffen sein, das sind mehr als 12 Millionen Menschen.[1] Durchfälle, Verstopfung und schmerzhafte Blähungen sind typische Symptome des Reizdarmsyndroms. Seine genauen Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. Bei der Therapie des Reizdarmsyndroms (RDS) hat eine individuelle Ernährungstherapie einen hohen Stellenwert. Besonders eine FODMAP-arme oder eine glutenfreie Diät kann die Beschwerden der Betroffenen deutlich lindern.

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmerkrankung. Durch Blähungen und Gasbildungen im Darm kommt es zu Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum, wozu eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms bei den Betroffenen hinzukommt. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind nach wie vor ungeklärt. Diskutiert werden u.a. Störungen der Darmmotilität (Bewegungsfähigkeit des Darms), der Darmflora (Gesamtheit der Mikroorganismen, die den Darm besiedeln) und des Immunsystems, aber auch psychische Faktoren wie Stress können Auslöser sein.

 

Dr. Schär hat sich im Monat Mai intensiv mit dem Thema Reizdarmsyndrom und der FODMAP- Diät oder glutenfreien Diät im Rahmen der Therapie beschäftigt.  „Prinzipiell ist die Malabsorption von FODMAPs normal – bei gesunden Menschen ruft sie keine Beschwerden hervor“, erläuterte Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, im Rahmen eines weiteren Symposiums, dass auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin in Wiesbaden stattfand. „Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom können FODMAPs allerdings schwere Reaktionen wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Bauchschmerzen verursachen. Da das Toleranzniveau der beschwerdeverursachenden Lebensmittel bei jeder Person unterschiedlich ist, sollte im Verlauf der Diät festgestellt werden, welche Art und Menge der FODMAPs individuell vertragen werden“, so Prof. Zopf weiter.

Was ist eigentlich FODMAP?

FODMAP steht für „fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols, auf Deutsch fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen und vom Dünndarm nur schlecht resorbiert werden. Peter Gibson und Sue Shepherd, zwei Forscher der Monash University in Melbourne, Australien, haben durch das Testen und Vergleichen von Betroffenen und Nicht-Betroffenen herausgefunden, dass FODMAPs Reizdarm-Symptome hervorrufen bzw. verstärken können. Daraufhin haben sie die FODMAP Diät entwickelt. FODMAPs sind in Form von Laktose (z. B. Kuhmilchprodukte), Fruktose (z. B. Apfel, Birne), Fruktanen (z. B. Weizen, Zwiebeln), Galaktooligosacchariden (z. B. Bohnen) sowie Polyolen (z. B. Birne, Blumenkohl, künstliche Süßstoffe) in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten. Das FODMAP-Konzept muss unbedingt von einer Ernährungsfachkraft durchgeführt werden. Nur diese kann anhand der Diagnose und der diätologischen Befundung beurteilen, ob sich der Patient überhaupt dafür eignet oder ob andere Maßnahmen ausreichend sind. Wichtig für die Entscheidung sind auch Faktoren wie Essfrequenz und -verhalten, Vorlieben und Abneigungen, oder auch das Vorliegen von Reizdarm-Triggerfaktoren wie Rauchen, Alkohol, Stress oder starker körperlicher Anstrengung.

Low FODMAP Diät oder glutenfreie Diät – wichtig ist die exakte Diagnose

Neben FODMAPs können bei einigen Reizdarm-Patienten auch glutenhaltige Lebensmittel Beschwerden auslösen. Da die gastrointestinalen Symptome des Reizdarmsyndroms mit denen einer Zöliakie sowie einer Gluten-/Weizensensitivität überlappen, ist eine exakte Differenzialdiagnose entscheidend. „Bei vielen meiner Patienten stellt sich im ersten Beratungsgespräch heraus, dass keine umfassende Diagnostik vorliegt, also beispielsweise Zöliakie nicht ausgeschlossen wurde“, berichtet Diätassistentin Annette Englert aus Ludwigshafen aus ihrem Praxisalltag.

Um eine FODMAP-Diät durchzuhalten, ist es wichtig, dass die Patienten weiterhin Spaß am Essen haben.  Hierzu stehen mittlerweile eine Reihe von Produkten zur Auswahl, die von der Monash-Universität als Low-FODMAP zertifiziert wurden. Dr. Schär bietet in Deutschland 16 solcher Produkte an, die eine abwechslungsreiche und genussvolle Ernährung ermöglichen. Darüber hinaus umfasst das Sortiment des Unternehmens eine Vielfalt an qualitativ hochwertigen glutenfreien Lebensmitteln mit gutem Nährstoffprofil. Eine glutenfreie Ernährung hat sich bei Zöliakie und Gluten/Weizensensitivität als wirksame therapeutische Option erwiesen und kann auch bei einem Teil der Patienten mit Reizdarm-Syndrom eine Symptomlinderung bewirken. Um eine adäquate Ernährungstherapie einleiten zu können, muss zuvor jedoch zuvor von ärztlicher Seite abgeklärt werden, um welche der Erkrankungen es sich konkret handelt.

Weitere Informationen

  • Ernährung bei Reizdarm - so sieht es in der Praxis aus..

    Kongress der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin (DGIM), Wiesbaden, 04. Mai
    Dr. Schär Symposium 
    Referentin: Diätassistentin Annette Englert

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Quellenangabe

[1] Quelle: Wittkamp,P et  al 2012, Prävalenz des Reizdarmsyndroms nach den Rom-III-Kriterien in Deutschland und Zusammenhänge mit potentiellen Risikofaktoren. Zeitschrift für Gastroenterologie, 50 (36)